Hannover (Niedersachsen) – Tanja Tornier (48) weiß, dass ihr Leben bald endet, und doch lächelt sie unaufhörlich, strahlt voller Zuversicht. Wie das geht? Nicht die Krankheit bestimmt ihren Blick nach vorn, sondern der Glaube an ein Leben, das über den Tod hinausreicht.
Im Herbst 2023 erhielt die Mutter von fünf Kindern (14–26) aus Laatzen bei Hannover die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems. Bedeutet: Ihre Muskeln werden immer schwächer, bis selbst Atmen und Schlucken schwerfallen. In Deutschland leben etwa 8000 Menschen damit, jährlich erkranken rund 2000 neu. Die meisten sterben innerhalb von drei bis fünf Jahren nach der Diagnose, weil die Atemmuskulatur versagt.
Sie ist im Körper eingeschlossen: Als BILD die ehemalige Biologie-Laborantin vor 13 Monaten schon einmal besuchte, war alles anders. Die Diagnose frisch, die Angst spürbar, jeder Tag ein Kampf gegen das Unbegreifliche. Heute ist Tanja im Körper fast vollständig eingeschlossen. Sie kann sich kaum noch bewegen, nicht mehr sprechen, nicht einmal ihre Arme heben. Nur ihr Lächeln ist ihr geblieben, und ihre Augen funktionieren noch einwandfrei. Mit ihnen steuert sie einen Computer, kommuniziert so mit der Außenwelt. Jeder Satz ist ein kleines Wunder. „Mein Körper fühlt sich an wie ein Haus, in dem nach und nach die Lichter ausgehen“, schreibt sie. Rund um die Uhr ist eine Pflegekraft da. Und doch wirkt Tanja Tornier stark, lebendig, humorvoll, voller Kraft.
„Ich habe keine Angst vor dem Sterben“: Sie schreibt: „Ich habe überhaupt keine Angst vor dem Sterben, aber Sorge um die Kinder. Ich will, dass es ihnen gut geht, wenn ich nicht mehr da bin.“ Sie hat sich bewusst an BILD gewandt, um etwas zu hinterlassen, um alles zu teilen und festzuhalten. Wie ihre Wünsche: „Noch einmal Fallschirmspringen, eine Hypnose-Rückführung, die Hochzeiten ihrer Kinder, Oma werden“, formuliert Tanja auf ihrem Computer.
„Die Krankheit annehmen heißt nicht aufgeben“, erklärt Tanja, die ihr Sterben als Lernaufgabe sieht: „Zeit wird intensiver, Begegnungen tiefer.“ Mit ihrem Mann Carsten (53, Fachkraft für Lagerlogistik) hat sie ihr Testament gemacht und ihre Beerdigung geplant. Ihr Körper mag schwächer werden, aber ihr Wesen bleibt unberührt. Tanja: „Mein Lachen und meine Liebe bleiben ewig“, schreibt sie. „Ich bin die Liebe, die ich für meine Kinder empfinde, wenn ich sie anschaue. Ich bin die Wärme in den Händen meines Mannes, wenn er mich hält. In all dem lebe ich ewig weiter – tief, echt, unzerstörbar.“