Niemand rechnete mit ihm: Sänger (54) taucht überraschend bei brisanter Demo in Berlin auf

Xavier Naidoo (54) tauchte am Dienstagmittag vor dem Berliner Kanzleramt auf

Berlin –Sänger Xavier Naidoo (54) steht vor dem Berliner Kanzleramt. Scheinbar zufällig, im schwarzen Wintermantel mit Pelzkragen, Schiebermütze, Sonnenbrille. Umringt von übrig gebliebenen Demonstranten einer angemeldeten Demonstration. Es soll hier eigentlich um Aufmerksamkeit für das Thema Kindesmissbrauch gehen. Doch als die eigentliche Demo längst aufgelöst ist, verstört Naidoo plötzlich mit bizarren Aussagen über „Kinderfresser“ und Menschen, die „unsere Babys fressen“.Seine ausverkaufte Comebacktour ist gerade mal zwei Monate her, da sorgtder Sängermal wieder mit höchst seltsamen, teils wirren Aussagen für Aufsehen – und schießt sich damit erneut ins Abseits.Anlassdieser Kundgebung in Berlin– bei der Naidoo vielleicht gar nicht so spontan auftauchte, wie es aussehen sollte – war die Veröffentlichung neuer Dokumente über SexualstraftäterJeffrey Epstein(†66). „Sexuelle Gewalt an Kindern stoppen“, hieß es in der Anmeldung der Demo, die von 12 bis 15 Uhr genehmigt war.

Naidoo wird von Teilnehmern der Kundgebung, die teilweise für zweifelhafte YouTube-Kanäle zu arbeiten scheinen, nach den Epstein-Akten gefragt

Doch als die angemeldete Demo längst von der Polizei aufgelöst war (es standen nach BILD-Informationen zu viele Menschen auf den Gehwegen), scharen sich plötzlich Menschen um den bekannten Popstar. Eine Demo nach der eigentlichen Demo.Laut dem Musikmagazin „Rolling Stone“ waren es rechtsgerichtete Trittbrettfahrer, die zu dieser Kundgebung nach der Demo aufgerufen hatten und den Epstein-Skandal und die seriöse Kundgebung am Mittag für ihre Agenda ausschlachten wollten. Die Kundgebung mit Naidoo als prominentem Sprachrohr wurde vom Videokanal des rechtsextremen Netzwerks „Compact“ und weiteren YouTube-Kanälen aus dem Verschwörungs-Milieu medial begleitet.

Xavier Naidoo spricht mit den YouTubern, beantwortet bereitwillig Fragen. Begleitet wird Naidoo die ganze Zeit von einem Mann, der seinem früheren „Söhne Mannheims“-Kollegen Claus Eisermann (58) sehr ähnlich sieht

Xavier Naidoo: „Kann nicht mit Kinderfressern zusammenleben“Der Sänger wird von den Demo-Teilnehmern zum Thema Kindesmissbrauch gefragt. Am Anfang antwortet er noch ruhig: „Mir geht’s hier nicht um die Rehabilitierung, sondern darum, dass wir einen Ansatz finden, wie wir den Kindern helfen können. (…) Was die Leute über mich denken, ist mir so egal.“ Als ein Demonstrant weinend von seinem eigenen sexuellen Missbrauch durch seinen Vater erzählt, geht Naidoo zu ihm und umarmt ihn.Irgendwann kippt die Stimmung, der Ton wird aggressiver. Als Naidoo nach den veröffentlichten Epstein-Akten und möglichen Aufklärungs-Ansätzen gefragt wird, sagt er: „Es wird Konsequenzen geben. Wir müssen jetzt erst mal die Fälle und das ganze System auseinandernehmen und die wahre Tragweite erfassen. Aber dass es Konsequenzen geben muss für Menschen, die unsere Kinder fressen, das ist, glaube ich, jedem klar. Vor allem allen Männern sollte das klar sein (…) Es geht nur um die eine Sache: Ich kann nicht mit Kinderfressern zusammenleben!“

Xavier Naidoo (54) steht am Dienstagmittag vor einem Nebeneingang des Berliner Kanzleramts und möchte, dass die Polizisten ihn bei Bundeskanzler Friedrich Merz (70) anmelden

Xavier Naidoo will Kanzler Merz sprechenEr wird aufbrausend, gestikuliert wild herum: „Unaussprechliches Leid! Ich kann hier nicht mal drüber sprechen!“ Doch Naidoo gibt weiter bizarre Aussagen von sich, ruft: „Die fressen unsere Babys, verdammt nochmal!“ Naidoo redet sich immer weiter in Rage. Schwurbelt über Menschen, die „selbst Kannibalen sind“ und ein Interesse daran hätten, „dass wir alle Kannibalen werden, damit wir alle in die Hölle runterfahren“.Nach diesen bizarren Aussagen geht Xavier Naidoo, begleitet von applaudierenden Demonstranten, zur Klingel des Kanzleramts. Zu den Polizisten sagt Naidoo: „Können Sie dem Herrn Merz bitte sagen, dass wir ihn gerne sprechen würden?“ Er wird zu einem anderen Eingang geschickt. Auf dem Weg dorthin wird Naidoo von einem Polizisten gestoppt und gebeten, den Bereich rund um das Bundeskanzleramt zu verlassen.Xavier Naidoo verbreitete über die Jahre immer wieder verschiedenste Verschwörungserzählungen, behauptete etwa mehrfach, Deutschland sei „immer noch ein besetztes Land“. Viele seiner Thesen waren im Reichsbürger-Milieu verortet. Es ging um Judenhass und teils wirre Verschwörungslügen. Auch die Corona-Pandemie hatte Naidoo lange geleugnet.Der baden-württembergische Antisemitismus-Beauftragte Michael Blume (49) bewertet Naidoos Wortwahl gegenüber der „dpa“ als radikalisierend: „In der Vergangenheit hat Xavier Naidoo mit sehr deutlichen Anspielungen wie „Tothschild“ die Spur zum Antisemitismus gelegt und dies leider nicht glaubwürdig aufgearbeitet. Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe „Kinderfresser“ und „Menschenfresser“ als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen.“ Dies sei sehr gefährlich. Seit Jahrhunderten gibt es die antisemitische Verschwörungserzählung, die besagt, dass Juden aus rituellen Gründen kleine Kinder töteten.

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