Halle (Sachsen-Anhalt) –Seit elf Jahren fehlt von Inga jede Spur – doch die Ermittler geben nicht auf. Die Fünfjährige verschwand am 2. Mai 2015 bei einem Besuch mit ihrer Familie im abgelegenen Stendaler Ortsteil Wilhelmshof. Seitdem ist ihr Schicksal ungeklärt. Jetzt starten die Cold-Case-Experten der Polizei Halle gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) eine neue Fahndungsoffensive. Auf Großplakaten und LED-Leinwänden soll deutschlandweit an das vermisste Mädchen erinnert werden.Anlässlich des Tags der vermissten Kinder am 25. Mai soll es eine neue Öffentlichkeitsfahndung geben. Dadurch erhoffen sich die Ermittler entscheidende Hinweise, um den Fall zu klären. „Aktuell befinden wir uns in der Abstimmung und Planung“, bestätigt Antje Hoppen, Sprecherin der Polizeiinspektion Halle. Auch ein Beitrag in der ZDF-Sendung „XY ungelöst“ ist in Vorbereitung.
So wie auf diesem Bild könnte die vermisste Inga Gehricke aussehen – sie wäre heute 16 Jahre altFoto: True FruitsSmoothie-Flaschen zeigen Ingas FotoBereits 2024 entschied sich die Familie für eine ungewöhnliche Suchmethode. Das Foto ihrer Tochter wurdeauf tausende Smoothie-Flaschen gedruckt. Ergänzt wurde es durch ein computergeneriertes Bild, das zeigt, wie Inga heute aussehen könnte. Gleichzeitig erhöhte die Familie die Belohnung für Hinweise auf 50.000 Euro. Ingas Mutter Viktoria Gehricke sagte anlässlich der Suche in den Supermärkten: „Ich fühle, dass mein Kind noch lebt. Für mich ist das eine Chance, dass meine Familie und ich neue Hinweise zu Inga erhalten. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass sie gefunden wird.“Inga wurde am 2. Mai 2015 während der Vorbereitungen eines Grillfestes zuletzt gesehen. Umfangreiche Suchaktionen blieben ohne Ergebnis. DiePolizeiging bislang rund 2000 Spuren und Hinweisen nach. Teiche wurden ausgepumpt, Gewässer untersucht und Gebäude mehrfach durchsucht – doch Ingas Verschwinden bleibt ein Rätsel. Der Fall wurde im April 2023 von Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) von der Polizei Stendal an die PolizeiinspektionHalleübergeben.
Hundertschaften der Polizei durchkämmten große Waldgebiete im Norden Sachsen-AnhaltsFoto: picture alliance/dpaIngas Familie gibt Hoffnung nicht aufImDezember 2024 waren erneut Spezialhunde im Einsatz– auf demselben Gelände, auf dem bereits kurz nach Ingas Verschwinden im Jahr 2015 gesucht worden war. Dieses Mal schlugen Spürhunde des Vereins „Victim Recovery Dogs“ an und entdeckten Knochen in einem Waldstück bei Uchtspringe. Der Fund galt zunächst als heiße Spur, doch die Hoffnung zerschlug sich: Die Überreste stammen nicht von einem Menschen.
Ingas Eltern, Victoria und Jens Uwe Gehricke, setzten sich 2023 im Innenausschuss von Sachsen-AnhaltFoto: Christian SchroedterBei der Polizeiinspektion Halle ließ das fünfköpfige Cold-Case-Team zunächst sämtliche Akten digitalisieren. Zudem kooperieren die Beamten mit der privaten Initiative „inga-suche.de“, bei der Privatdetektive und Anwälte Ingas Eltern pro bono unterstützen. Aus den ursprünglich 2000 Spuren wurden inzwischen rund 4000 Ermittlungsansätze. „Davon wurden mehr als 260 bereits abgeschlossen, 630 befinden sich aktuell in Bearbeitung“, sagt Polizeisprecherin Hoppen gegenüber BILD. Die Datenmenge ist enorm: Rund 70.000 Personendaten wurden erfasst – von Helfern, Feuerwehrkräften, Jägern sowie Besuchern und Mitarbeitern des Wilhelmshofs.