Berlin – Vier Wochen lang hat Klimaaktivistin Luisa Neubauer (29) an einer Expedition der Segeljacht „Malizia Explorer“ durch die Antarktis teilgenommen. Im „Heimspiel“ des Podcasts „Apokalypse & Filterkaffee“ berichtete sie kurz nach ihrer Rückkehr über Momente im ewigen Eis, Wal-Sichtungen, ihr Schulprojekt „Das globale Klassenzimmer“ – und ein Leben unter Personenschutz. Ihr Bekenntnis: „Ich bin bereit, ich mache es trotzdem!“Die Situation in derAntarktishabe sich „außerplanetar“ angefühlt, schwärmte Neubauer. Sie habe „endlos viele Wale“ gesehen. Es sei dort so wenig Filter zwischen einem selbst und der Welt. Ihr sei aufgefallen, „wie viel Rauschen normalerweise um einen herum ist: Bildschirme, Werbetafeln, Screens, Gespräche, Menschen, Verkehr, die ganze Welt, die wir aufgebaut haben, steht ja normalerweise zwischen uns und der eigentlichen Welt – dem Planeten“.
„Total schön und weltschmerzend“Die Gletscher am Südpol nannteLuisa Neubauer„bahnbrechend schön“, so „als hätte der Planet eine Ausstellung für uns eröffnet“. In ihren Vorträgen hätte sie nur selten auf das schmelzende Eis hingewiesen, weil sie es als zu „kitschig“ und „pathetisch“ empfunden habe. Nun habe sie den gesamten Tag mit anhören können, wie das Eis breche und schmelze. „Total schön und total weltschmerzend“ sei es, sich dort aufzuhalten, schilderte sie dem Moderator Wolfgang Heim.
Eingebettet in die wissenschaftliche Expedition war das pädagogische Projekt „Das globale Klassenzimmer“. Neubauer unterrichtete Schüler in Live-Schalten zumKlimawandel. Bereits beim ersten Termin habe sie 1300 Zoom-Kacheln gegenübergesessen. Mehr als 3000 Schulen hätten sich beteiligt. „Das war so phänomenal als Erfahrung von globalem Lernen.“
Ein Leben unter PersonenschutzAber der Klimaaktivismus hat auch eine Schattenseite, über die Neubauer berichtete. „Ich bin Klimaaktivistin aus voller Überzeugung“, erklärte sie, doch dafür zahle sie einen „unglaublichen persönlichen Preis“. Sie müsse bei Protesten auf Personenschutz zurückgreifen und habe in den vergangenen Jahren mehr Gespräche mit dem LKA geführt als mit ihrem Hausarzt. Die „kleine Fraktion von wütenden, aggressiven und – man muss jetzt sagen – 99 Prozent Männern im Internet, die mir und vielen anderen jungen Frauen das Leben schwer machen“, empfinde sie als „nervig, unglaublich krass, bedrohlich und bedrückend“. Es sei unerträglich, dass sich ihre Mutter oder Großmutter Sorgen machen müssten, wenn sie eine längere Zugfahrt unternehme.