Die kleine Kira (6) vor einem Protestschild auf der Bauern-Demo vor der Lidl-ZentraleBad Wimpfen (Baden-Württemberg) –Vor der Zentrale von Lidl versperren über 140 Traktoren die Straße. Wütende Bauern hupen, zeigen Protestschilder. Mittendrin ein kleines Mädchen: Kira (6). Hinter ihr ein Banner: „Wir Bauernkinder brauchen eine Zukunft.“ Wenn die Landwirte recht haben, ist auch Kiras Zukunft in Gefahr.Auslöser des Protestes: der niedrige Butter-Preis bei Discountern. Die Bauern sprechen von 99 Cent pro Packung. Aber was bedeuten Kampfpreise im Einzelhandel für die Betriebe? BILD besuchte Kira und ihre Eltern auf ihrem Hof bei Heilbronn (Baden-Württemberg). Eine Idylle – die bröckelt.Butter-Wut!:Bauern blockieren Lidl-Zentrale
Kälber, Korn und keine KohleKira lebt mit ihren Eltern, zwei Geschwistern und elf Rindern auf einem mittelgroßen Bauernhof. 80 Hektar Acker, 8 Hektar Wein, Stall, Scheune. Ihre Lieblingskälber Emmi und Emma füttert das kleine Mädchen jeden Tag. Im Kinderzimmer spielt sie mit kleinen Tierfiguren und Spielzeugtraktoren.
Kira bei ihrer Lieblingskuh Emmi. Täglich verbringt das Mädchen Zeit bei den Tieren im StallFoto: Michael HahnFrüher war der Hof eine Milchviehwirtschaft. In den 90er Jahren krachten die Preise runter. Papa Markus E. (44) lernte Landmaschinenmechaniker. Vor zwei Jahren nahm er seinen ganzen Mut zusammen und stieg wieder voll in dieLandwirtschaftein.Discounter drücken PreiseHeute trifft ihn der Preisdruck bei den Discountern hart – hauptsächlich beim Wein. „Pro Flasche kommen bei mir nur 30 Cent an“, sagt Markus E. Sechs Tage die Woche schuftet er von 7 bis 19 Uhr und komme beim Weinbau umgerechnet auf 6,50 Euro Stundenlohn: „Meine Erntehelfer verdienen das Doppelte.“
Vor der Lidl-Zentrale versperren die Landwirte mit ihren Traktoren die StraßeFür Investitionen fehlt dasGeld. „Ich arbeite mit uralten Maschinen. Unser Familienauto, ein alter Opel-Kombi, hat über 220.000 Kilometer drauf.“ Urlaub? Eine Woche in Deutschland – mehr gehe nicht.Butter-Preis macht Bauern sauerLidlsenkt die Butter-Preise wegen eines Überangebots an Milch, so der Konzern. Die Folge: ein Preiskampf, der laut Bauernverbänden Existenzen gefährdet. Christian Coenen (48) vom Verein „Land schafft Verbindung“ fragt: „Wenn die Butter für 99 Cent angeboten wird, was soll da noch beim Bauern auf dem Hof ankommen?“Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU, 64) lädt Mitte Januar zum Krisengespräch. „Hinter gut gefüllten Regalen mit Lebensmitteln stehen viele bäuerliche Familienbetriebe“, warnt er.
Landwirt Markus E. (44) spielt mit seiner Tochter am liebsten mit Spielzeug-Traktoren und TierfigurenBauernpräsident Joachim Rukwied (64) spricht von einem Preiskrieg: „Was wir aktuell erleben, ist kein Marktmechanismus mehr, sondern ein von einem Discounter entfachter Kampf um den günstigsten Preis.“Kira streichelt ihr Kalb Emmi. Draußen steht der alte Opel-Kombi im Hof. Das Leben auf dem Bauernhof geht weiter – noch.