Houston –Ein längerer Krieg mit dem Iran könnte Autofahrer und Airlines bald hart treffen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) warnte am Dienstag bei der Energiekonferenz Ceraweek in Houston im US-Bundesstaat Texas vor möglichen Engpässen beim Treibstoff schon in wenigen Wochen.„Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai“, sagteReiche. Aktuell gebe es keine Engpässe beim Volumen, also bei der verfügbaren Menge an Kraftstoffen.Tankstellensind versorgt, auch Kerosin für den Flugverkehr ist nach Reiches Angaben vorhanden. Doch dieSpritpreiseziehen bereits an. Und wenn der Konflikt weiter eskaliert oder länger andauert, könnten laut Reiche gegen Ende April oder im Mai erste Knappheiten auftreten.
Gleichzeitig schlägt Reiche Alarm für die Konjunktur. Sie verwies auf Schätzungen deutscher Wirtschaftsinstitute, wonach bei anhaltend hohen Energiepreisen ein Verlust von etwa 40 Milliarden Euro entstehen könnte. Grund seien die hohen Energiekosten. Das könnte auch die Inflation weiter antreiben. „Die kleine, fragile Erholung der deutschen Wirtschaft steht derzeit unter Druck“, so Reiche.Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat ein Szenario durchgerechnet. Steigt der Ölpreis der Nordsee-Sorte Brent auf 100 Dollar pro Barrel, könnte es über zwei Jahre einen realen Verlust an gesamtwirtschaftlicher Leistung von etwa 40 Milliarden Euro geben. In diesem Fall würden die Verbraucherpreise nach Berechnungen der Forscher in diesem Jahr um 0,8 Prozent und im kommenden Jahr um 1,0 Prozent höher liegen.
Wie sicher ist unsere Kraftstoff-Versorgung?Deutschland verfügt über funktionierende Lieferketten sowie gut ausgebaute Raffinerie- und Lagerkapazitäten. Dazu hat die Bundesregierung zur Stabilisierung der Lage bereits einen Teil der strategischen Ölreserven freigegeben. Und: Um extremen Preisschwankungen entgegenzuwirken, wurde ein Paket auf den Weg gebracht, wonach Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen.Aber: Branchenvertreter warnen, dass eine weitere Verschärfung des Kartellrechts oder anhaltende Konflikte in Förderregionen die Planungssicherheit der Mineralölkonzerne beeinträchtigen könnten. In einigen Nachbarländern wie Slowenien wurden bereits erste präventive Mengenbeschränkungen für Kraftstoffkäufe eingeführt, was in Deutschland aktuell jedoch nicht geplant ist.