Hape Kerkeling in Buchenwald: „Ich gehe den Weg meines Großvaters“

Weimar/Buchenwald – Er bringt Millionen zum Lachen. Seit Jahrzehnten begeistert Hape Kerkeling (61) mit Witz, Charme und unvergesslichen Figuren. Doch hinter seinem Humor steht eine Familiengeschichte, die kaum schwerer sein könnte.
Heute, am 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald, steht er dort, wo sein Großvater Hermann während des Nationalsozialismus leiden musste. „Wenn ich heute durch das Tor von Buchenwald gehe, tue ich das nicht als öffentliche Person, sondern als Enkel eines Überlebenden“, sagt Kerkeling. „Ich gehe den Weg, den mein Großvater ab dem 2. Juli 1942 gehen musste.“
Ein Mann mit Haltung: Hermann Kerkeling war tiefgläubiger Katholik – und überzeugter Kommunist. Schon unmittelbar nach der Machtübernahme 1933 verteilte er Flugblätter gegen Hitler. „Er hat lediglich die Wahrheit geschrieben, gedruckt, verteilt“, sagt sein Enkel. „Und das hat ihn zwölf Jahre seines Lebens gekostet.“
Am 5. März 1933 wurde er erstmals von der Gestapo verhaftet. Untersuchungshaft in Recklinghausen. Erst Ende Juli 1933 folgte laut Akten das erste Verhör – durchgeführt von dem berüchtigten Kriminalassistenten Löpke, der auch vor Folter nicht zurückschreckte. Das Urteil: neun Jahre Zuchthaus.
Doch damit war sein Leid nicht beendet. Am 6. Mai 1942 wurde erneut Haft angeordnet. Schließlich kam Hermann Kerkeling ins KZ Buchenwald. Eine Häftlingskarte aus den Arolsen Archives belegt seine Einstufung als politischer Gefangener – Häftlingsnummer 6117. „Er wurde zur Nummer“, sagt Hape Kerkeling. „In den Augen des Apparates ein Hochverräter.“
Zwangsarbeit und Schweigen: In Buchenwald musste Hermann Kerkeling in der Effektenkammer Zwangsarbeit leisten. Er überlebte Jahre der Entbehrung, der Angst, der Gewalt. Am 11. April 1945 wurde er mit 44 Jahren befreit – körperlich schwer gezeichnet.
„Dass er diesen Wahnsinn überlebt hat, ist ein Wunder“, sagt Kerkeling. „Sein Hochverrat steht für mich heute als höchstes Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit.“ Eine vollständige Wiedergutmachung erhielt er nie. Auch die Aufhebung seines Urteils blieb aus. „Der Verfolgte blieb ein Vorbestrafter.“
Für Hape Kerkeling wurde der Großvater später zur prägenden Figur seiner Kindheit. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs er bei seinen Großeltern auf. Die Vergangenheit war immer da – spürbar, aber oft unausgesprochen. „Sein Schweigen war wie eine Mauer aus Glas“, sagt Kerkeling. „Wir konnten ihn sehen, aber nur selten erreichen.“

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