München – Er lebte noch bei Mami und träumte vom großen Umsturz. Doch statt „das System zu Fall zu bringen“ und gegen den „Unterdrückerstaat“ zu kämpfen, traf Julian J. (21) ausgerechnet einen Handwerker. Der Einzelhandelskaufmann wollte die AfD und die CSU brennen sehen – am Ende fackelte er aber einen Handwerksbetrieb ab und richtete 300.000 Euro Schaden an. Jetzt steht J. wegen versuchter Brandstiftung vor dem Amtsgericht München. Ihm drohen mehrere Jahre Haft.
Protest gegen die AfD: Er wollte ein Zeichen setzen gegen „menschenverachtende Parteien wie die AfD“ und gegen den „immer stärker werdenden Faschismus“, erklärte der 21-Jährige am Dienstag im Prozess. Seit Oktober sitzt er in U-Haft. Laut Anklage soll er im vergangenen Herbst mehrere politisch motivierte Brände gelegt haben.
Sein Ziel war vor allem das AfD-Kreisbüro im Münchner Stadtteil Ramersdorf. Es liegt im ersten Stock eines Wohnhauses. Um das Gebäude in Brand zu setzen, warf Julian J. die Scheibe einer Bauspenglerei im Erdgeschoss ein und legte dort Feuer.
Zwei Anläufe für den Brandanschlag: Für seine Tat brauchte der Angeklagte zwei Anläufe. Beim ersten Brandanschlag brannte eine Rauchfackel aus. Vier Tage später kam er nachts mit einem Benzinkanister zurück, drang erneut in die Werkstatt ein und entzündete dort eine Benzinlache – mit erheblichen Konsequenzen.
In seinem politischen Kampf „für die Arbeiterklasse“ traf J. ausgerechnet einen Handwerker. In der Spenglerei im Erdgeschoss richtete der Brand einen Schaden von 300.000 Euro an. Das AfD-Büro im ersten Stock blieb fast unversehrt.
Kripo fand angesengte Kleidung im Kinderzimmer: „Dass dort eine Werkstatt ist, war mir nicht klar“, so J. vor Gericht. Zwei Tage darauf legte er auch vor der CSU-Zentrale in München mit Benzin einen Brand. Beschädigt wurde lediglich die Fassade.
Besonders schlau stellte sich J. nicht an. Eine Tankstellen-Kamera filmte ihn beim Benzinkauf. Zudem zahlte er dort mit Bankkarte. In seinem Kinderzimmer fand die Kripo Tatwerkzeuge und angesengte Kleidung.
Brandstifter droht Haft und Vollstreckungstitel: Dem Brandstifter droht Jugendhaft. Im Prozess gab es Verständigungsgespräche darüber, ob eine Bewährungsstrafe möglich sei – trotz mehrfacher Vorstrafen, unter anderem wegen Gewaltdelikten. Richterin Kathrin Lohmöller: „Es ist nicht auszuschließen, hängt vom persönlichen Eindruck ab.“ Im Anschluss erklärte J., dass er hoffe, an einer „Widerstandsbewegung zu arbeiten“, um das „System zu Fall zu bringen“.