Barcelona –Es war ihr einziger, freier Wille, zu sterben. Die erst 25-jährige Noelia Castillo beschritt ihren letzten Weg, so wie sie es sich wünschte. In ihrem schönsten Kleid, hübsch geschminkt, ließ sie sich am Donnerstagabend eine tödliche Spritze verabreichen. Als sie starb, war niemand bei ihr – niemand sollte mehr versuchen, sie davon abzubringen.Die Familie der Frau aus Spanien hatte fast zwei Jahre gegen ihre Entscheidung, aktive Sterbehilfe anzunehmen, angekämpft. Zuletzt wies der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Beschwerde des Vaters zurück. So habe Noelia Castillo noch einmal ihren Wunsch bekräftigt, bevor sie ihre Augen für immer schloss.Sie sagte dem Arzt: „Ich möchte jetzt gehen“„Ich möchte jetzt in Frieden gehen und mein Leiden beenden“, sagte die 25-Jährige. Dann, so berichtet der spanische Sender „Antena 3“, verabreichte ein Arzt das Mittel. Etwa um 20 Uhr sei sie in dem Krankenhaus in Barcelona gestorben, wie die Behörden später bestätigten.
Eine halbe Stunde zuvor sei die Familie noch bei ihr gewesen. Noelia sagte ihren Eltern, ihrer Oma und ihren Geschwistern lebewohl. Der Abschied dauerte länger, als geplant. Schließlich bat die 25-Jährige alle, den Raum zu verlassen, um mit derSterbehilfezu beginnen.Der Fall, über den ein ganzes Land streitetAls die Medikamente in Stille verabreicht wurden, tobte vor dem Krankenhaus ein wütender Protest.Auch nach ihrem Tod spaltet der Fall das Land. Denn Noelia Castillo war nicht nur sehr jung, sondern psychisch schwer traumatisiert. Nach eigenen Angaben habe sie nach einer Gruppenvergewaltigung beschlossen, zu sterben, und sich von einem Hochhaus gestürzt. Seitdem war sie querschnittsgelähmt und litt unter Schmerzen.„Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe“, hatte sie in einem Interview gesagt.
Im Parlament in Madrid kam es wegen der Umsetzung ihres Wunsches zu turbulenten Szenen und einem heftigen verbalen Schlagabtausch, sogar von einer „Hinrichtung“ wurde gesprochen. „Ein absolutes Drama“, nannte die Sprecherin der konservativen Volkspartei PP den Fall. Tötung auf Verlangen wurde inSpanien2021 auf Betreiben der linken Regierung erlaubt. Befürworter sehen darin eine Bestätigung des Rechts auf Selbstbestimmung. In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten.