Diepholz (Niedersachsen) –Wenn Alexandra Lanfermann (46) von ihrem älteren Sohn erzählt, bricht ihr fast die Stimme. Tim starb im Alter von nur 20 Jahren. Doch sein Herz schlägt weiter. Seine Lungen atmen noch. Sechs Menschen verdanken ihm ihr Leben. Diesen Gedanken findet die Mutter so tröstlich, dass sie jetzt für mehr Organspenden kämpft.Der 30. Dezember 2022 veränderte das Leben der Familie aus Stuhr (Niedersachsen): „Um 5 Uhr stand Tim, der immer gesund war, bei mir im Schlafzimmer und meinte: Ich hab soKopfschmerzen“, erzählt Alexandra Lanfermann. Dazu kamen Grippesymptome, Erbrechen. Abends rief sie den Krankenwagen. Was folgte, vergisst sie nie: „Ich hab ihn hochgehoben, festgehalten. Er verkrampfte sich. Das wird mich nie wieder loslassen. Nie, nie wieder.“
Hirnhautentzündung reißt Tim aus dem LebenIn der Klinik die Schockdiagnose: eine besonders aggressive, lebensbedrohliche Hirnhautentzündung. Auslöser sind meist Viren oderBakterien.Bei Tim ließ sich aber der genaue Erreger nicht feststellen. Wegen der massiven Schwellung des Gehirns mussten die Ärzte seine Schädeldecke öffnen.Tim schaffte es nicht und seine Mama traf eine Entscheidung: „Als die Ärztin mir sagte, dass er hirntot sei, war meine erste Reaktion: Dann gebe ich die Organe frei.“ Denn Tim hatte im Alter von 16 Jahren einen Organspendeausweis ausgefüllt. „Damals waren wir beim Hausarzt. Er war sofort Feuer und Flamme, füllte ihn aus und trug den Ausweis seitdem im Portemonnaie.“
Tims Herz schlägt in einem Teenager weiterSechs Menschenleben wurden durch TimsKörpergerettet. Ein Teenager lebt heute dank seines Herzens. Die größte Freude der trauernden Mutter: „Ich stell mir vor, wie er von einer Feier nach Hause kommt. Darüber bin ich glücklich.“ Ein Mann atmet wieder, weil er Tims Lunge bekam. Ein Neugeborenes und ein Mann mittleren Alters leben durch seine Leber weiter. Eine Frau, jahrelang an die Dialyse gebunden, erhielt seine Niere. Und ein junger Mann konnte dank der zweiten Niere das Krankenhaus verlassen.Seit TimsTodkämpft Alexandra Lanfermann für mehr Organspenden. In sozialen Netzwerken erzählt sie ihre Geschichte, verteilte in ihrem Friseursalon 1500 Organspendeausweise.
Denn mehr als 8000 Menschen warten in Deutschland auf eineOrganspende. Letztes Jahr spendeten nur 985 nach ihrem Tod Organe. Für Alexandra Lanfermann zu wenige: „Wenn mehr Menschen eine Entscheidung treffen würden, könnten unzählige Leben gerettet werden. Ich würde alles geben, Tim zurückzubekommen. Aber ich bin unfassbar stolz auf ihn. Er lebt weiter: in Herzen, in Lungen, in Lebern, in Nieren. Und jeden Tag versuche ich, das weiterzutragen.“