Kirchlauter (Bayern) –Motoröl im Blut, Dieselduft in der Nase – das ist Leonie Konrad. Die 18-Jährige ist die jüngste Linienbusfahrerin Bayerns. Während andere Teenager an ihren ersten Kleinwagen denken, steuert sie einen zwölf Meter langen Linienbus mit 16 Tonnen Gewicht durch die bayerische Provinz.Seit dem 28. April 2025 sitzt sie offiziell am Steuer – einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag! „Ich wollte schon immer die Großen fahren!“, sagt Leonie lachend.
Von der Schulbank auf den FahrersitzNeun Jahre lang war sie selbst nur Passagier – jetzt bringt sie die Schüler sicher ans Ziel! „Ich habe mich schon als Schülerin immer mit den Busfahrern unterhalten“, erzählt sie. „Manche haben mir erklärt, wie alles funktioniert. Irgendwann dachte ich: Das will ich auch!“Schon in der Grundschule liebte sie Riesenautos – kein Wunder: Papa ist Lkw-Fahrer! Als sie in der 9. Klasse entschied,Busfahrerinzu werden, fragte er nur grinsend: „Willst du nicht lieber Lkw fahren?“
Sie lenkt 16 Tonnen Stahl, trägt Verantwortung für Dutzende Schüler – und hat immer ein Lächeln im Gesicht
Wenn zwischen den Fahrten Zeit ist, macht Leonie ihren Bus sauber12-Stunden-Tage und Polizei-EinsatzIhr Tag beginnt um 6 Uhr morgens: Kontrolle der Reifen, Lichter, Bremsen – dann geht’s los zur ersten Tour. „Manche Schüler stehen immer vorne, erzählen mir vom Tag – andere finden mich nicht so toll, weil ich sie mal zusammenstauchen musste. Manchmal bin ich Busfahrerin, Psychologin und Freundin in einem.“Aber nicht immer läuft alles glatt. „Einmal musste ich diePolizeirufen, weil jemand meine Wendeplatte zugeparkt hat – eine ganze Stunde ging nichts!“ Freche Fahrgäste, liegengebliebene Essenstüten, Feuerzeuge, Kleidung, sogar Zigarettenstummel – im Bus findet sie täglich „allerhand Zeug“.
Schüler? Fahrgäste? Motoröl? Leonie hat alle im GriffZwischendurch gibt’s Frühstückspause im Betriebshof, dann wiederSchüler, wieder Tour – 12 Stunden ist Leonie täglich unterwegs. Sie steckt mitten im 3. Lehrjahr zur Busfahrerin (Qualifizierung EU-Kraftfahrerin Personenverkehr), verdient rund 1200 Euro netto – im Juli 2026 ist sie fertig.Mama im Herzen – Diesel im BlutIhre größte Motivation? Ihre Mama. „Kurz nach meinemAusbildungsbeginnist sie gestorben. Sie war der Kickpunkt, dass ich weitermache. Sie sagte immer: ‚Ich weiß, du bist eine gute Busfahrerin, weil du’s mit Herzblut machst.‘“Auch Chef Bernhard Hümmer (42) ist stolz auf seinen Nachwuchs: „Einmal hat jemand angerufen und gefragt, ob sie überhaupt einen Busführerschein hat“, erzählt er lachend.