Es ist eine Tragödie ohne klassischen Schuldigen: kein Alkohol, keine überhöhte Geschwindigkeit, kein technischer Defekt. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – mit verheerenden Folgen. Nach BILD-Informationen soll der Fahrer bei einer Vernehmung angegeben haben, von der Sonne geblendet worden zu sein. Er habe nach seiner Schiebermütze gegriffen und dabei das Lenkrad verrissen – der Bus geriet ins Schleudern.
„Es tut ihm unendlich leid, was passiert ist. Er würde die Zeit gerne zurückdrehen, er kann es nicht“, sagte Verteidiger Peter Pospisil vor dem Landgericht Leipzig. Sein Mandant sei weder übermüdet noch alkoholisiert gewesen, habe alle Lenk- und Ruhezeiten eingehalten. „Es handelt sich um ein einmaliges fahrlässiges Fehlverhalten.“
Vier Tote und 46 Verletzte: Am 27. März 2024 war der Flixbus mit 54 Passagieren von Berlin nach Zürich unterwegs. Gegen 9.45 Uhr verlor der Fahrer auf der A9 zwischen Wiedemar und dem Schkeuditzer Kreuz die Kontrolle über den Doppelstockbus. Mit exakt 94 km/h war der 20-Tonner unterwegs, als er nach rechts ausbrach, eine knapp zwei Meter hohe Böschung hinabfuhr und auf die Seite kippte. Vier Frauen im Alter zwischen 19 und 47 Jahren starben noch am Unfallort. 46 weitere Fahrgäste wurden teils schwer verletzt.
Anklage wegen fahrlässiger Tötung: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 64-Jährigen fahrlässige Tötung in vier Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in 46 Fällen vor. Er habe die „im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen“, sei also nicht aufmerksam genug gefahren. Dem Busfahrer drohen bis zu fünf Jahre Haft. Angehörige der Opfer treten im Prozess als Nebenkläger auf. Für das Verfahren ist bislang nur ein Verhandlungstag angesetzt.