München –Mehr als ein ganzes Jahrzehnt starrte Manfred Genditzki (65) die grauen Mauern im Gefängnis an und fragte sich, wie es da draußen wohl wäre: bei seiner Familie, am Strand oder in einem Restaurant. Wenn es vor 13 Jahren nicht dieses falsche Urteil gegeben hätte. Jetzt bekommt er dafür von den deutschen Behörden eine Rekord-Entschädigung in Höhe von 1,3 Millionen Euro!Das teilte der Freistaat Bayern am Mittwoch mit. Demnach hätte man sich einvernehmlich in einem Vergleich vorGerichtauf diese Summe geeinigt.Unschuldig als Frauenmörder verurteilt
Die Tat, die er nicht begangen hatte und für die er lebenslang hinter Gittern sollte: Ein brutaler Mord an einer Frau. Liselotte K. (†87) war 2008 mit Blutergüssen am Kopf tot in ihrer Badewanne gefunden worden. Als Hausmeister der Wohnanlage half Manfred Genditzki der Rentnerin regelmäßig beim Einkaufen. Für die Ermittler offenbar der einzig mögliche Verdächtige.Im Streit hätte der heute 65-Jährige sein Opfer ertränkt, hieß es. In zwei Prozessen und einer Revision inMünchenließen sich die Richter von dieser Theorie überzeugen und sperrten ihn ein. Laut Beweislage heute, ist Liselotte K. sehr wahrscheinlich bei einem Sturz im Bad gestorben. Genditzkis Anwältin Regina Rick konnte zudem nachweisen, dass der Todeszeitpunkt viel später war, als ursprünglich angenommen. Für die Zeit hatte der Hausmeister ein Alibi.Am Telefon im Gefängnis hieß es: „Sie sind frei!“
Mehr als 13 Lebensjahre wurden Genditzki imGefängnisgenommen. Er sah seine Tochter nicht aufwachsen, auch zur Beerdigung seiner Mutter durfte er nicht. Mitte 2022, als er die Hoffnung längst aufgegeben hatte, reichte ihm ein Beamter während der Arbeit in der Wäscherei der JVA Landsberg einen Telefonhörer: „Sie sind frei!“.Nach seiner Entlassung sagte er damals: „Ich werde keine Freudensprünge machen. Einen Grund zum Jubeln habe ich nicht.“Der endgültige Freispruch erfolgte im Wiederaufnahmeverfahren am 7. Juli 2023. „Es ist eine unerträgliche Vorstellung für jeden Menschen, dass er zu Unrecht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird“, räumte der Freistaat Bayern jetzt ein.75 Euro Entschädigung pro Tag im KnastIn den 1,3 Millionen Euro seien alle Ansprüche aus der Verurteilung, der Haft und dem Wiederaufnahmeverfahren sowie bereits gezahlte, vorherige Beiträge enthalten – pro Tag hinter Gittern wurden dem Mann einst 75 Euro, insgesamt knapp 400.000 Euro zugesprochen. Mehr als 450.000 Euro erhielt der Mann für entgangenen Verdienst und Rentenbeiträge. Zudem habe man nun berücksichtigt, dass der Mann die Entschädigung teilweise versteuern und Anwaltshonorare begleichen müsse.Seine Anwältin Regina Rick, die zehn Jahre für den Hausmeister gekämpft hatte, erklärte: „Wir begrüßen, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte.“ Ihr Mandant sei erleichtert, dass die jahrelangen Verfahren endgültig ein Ende gefunden hätten. „Die dreizehneinhalb Jahre, die er zu Unrecht in Haft verbracht hat, gibt ihm keiner mehr zurück.“ Er freue sich jetzt auf eine unbeschwerte Zeit mit seiner Familie.